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Anne Franks Tagebuch: Ein Abend, der Hoffnung schenkt

Ein Beitrag der Hersfelder Zeitung vom 06. November 2025

Bei der Aktion "Bad Hersfeld liest ein Buch" zeigten Schüler, wie aktuell Antisemitismus und der Wert von Freiheit heute noch sind.

„Anne hat uns gezeigt, dass Träume nicht sterben müssen“, lautete einer der vielen tiefgründigen Sätze, die am Dienstagabend im Audimax der Obersbergschulen gesagt wurden. Schülerinnen und Schüler hatten sich intensiv mit dem Tagebuch der Anne Frank, ihrem Leben und auch dem Wirken ihrer Worte in der heutigen Zeit beschäftigt.

Unter dem Oberthema und Anne-Frank-Zitat „Und trotzdem glaube ich an das Gute im Menschen“ gestaltete die Gesamtschule einen bewegenden Abend, an dem die Schülerinnen und Schüler zeigten, wie intensiv sie sich mit dem Thema Holocaust, Judenverfolgung damals und heute und dem Leben Anne Franks beschäftigt hatten.

Ergreifend war gleich der Beginn, bei dem der Chor der Modell- und Gesamtschule Obersberg unter der Leitung von Ulli Meiß das Friedenslied „Hevenu shalom alechem“ anstimmte. Weitere musikalische Beiträge waren „Das Alphabet“ zur Melodie von „Oyfn Pripetshik“ der Chorklassen der Jahrgangsstufen 7 bis 9 unter der Leitung von Anne Rill, die auch Anne Franks Lieblingslied „Over the Rainbow“ sangen. Die Junior-Bigband unter der Leitung von Andreas Winter spielte den „Chattanooga Choo Choo“.

Mahnung und Warnung
„Erinnerung ist die Voraussetzung für Verantwortung“, hatte Gymnasialzweigleiterin Cornelia Handke in ihrer Begrüßung gesagt. Anne Franks Tagebuch sei Mahnung und Warnung, „denn wenn Rassismus, Antisemitismus und Hassparolen wieder lauter werden, dürfen wir nicht schweigen“, so Cornelia Handke. „Die Schülerinnen und Schüler haben sich mit Mut, Offenheit und Herz einem schweren Thema gestellt.“

Wie intensiv sie sich damit beschäftigt hatten, kam nicht nur in der Lesung von Maja Wieter (G7c) zum Ausdruck, sondern auch in den Gedanken zum Buch von Leonie Röhling (G10b), aus denen der eingangs genannte Satz stammte. In der Gesprächsrunde von vier Schülern der G10d wurde deutlich, dass Antisemitismus auch heute noch ein Problem ist. „Politik und Gesellschaft müssen etwas tun“, so die Gruppe, denn auch in naher Vergangenheit habe es Angriffe auf Synagogen und jüdische Einrichtungen gegeben. Die Gefahr der Verbreitung von Hassparolen bestehe in sozialen Netzwerken, und man müsse auch Freunde darauf aufmerksam machen, wenn diese antisemitische Sprüche äußerten.

Die Klassen G10 b und G10d hatten sich mit dem Thema „Freiheit“ beschäftigt. „Freiheit hat überall auf der Welt Bedeutung“ oder „Wir dürfen nicht schweigen, wenn die Freiheit irgendwo auf der Welt bedroht ist“, lauteten zwei der Statements. Per Video-Interviews wurden Meinungen zur Frage „Was ist Freiheit für dich“ unter der Schülerschaft eingespielt.

In szenischen Darstellungen, bei denen der ehemalige Festspiel-Intendant Holk Freytag den Schülern der G10d und der G10c unterstützend zur Seite gestanden hatte, wurden die „Gefühle im Versteck“ und „Der Tag, an dem alles hätte enden können“ gespielt. Ein fiktiver Tagebucheintrag vom 15. Juli 1944 der G10d und ein Gespräch mit der Sicht einer Historikerin, eines Theologen und eines Philosophen über die Unterschiede und Gemeinsamkeiten von Christentum und Judentum zeigten ebenfalls, welche Herangehensweisen die Schüler ausgewählt hatten. In einem Gespräch darüber, was ein Tagebuch eigentlich ist und was es für eine Person bedeuten kann, fiel der Satz: „Das Tagebuch ist nur für mich selbst bestimmt, denn in Social Media präsentiert man mehr, als dass man reflektiert.“

Das Lehrer-Trio aus Anastasia Boksgorn (Violine), Andreas Winter (Klarinette) und Anne Rill (Klavier) gestaltete den Abend mit „Beigalach“ und dem Thema aus dem Film „Schindlers Liste“.
Cornelia Handke sprach aus, was wohl viele der zahlreichen Zuschauerinnen und Zuschauer nach rund eineinhalb Stunden fühlten: „Es war ein Abend, der berührte, nachdenklich machte und vielleicht auch ein bisschen Hoffnung schenkte.“ Holk Freytag äußerte sich ebenfalls sehr positiv: „Respekt und Dank an die Schülerinnen und Schüler der Gesamtschule Obersberg für die großartige Auseinandersetzung mit Anne Franks Tagebuch. Und große Gratulation an die begleitende Lehrerschaft.“

 

Chorschüler singend auf der Bühne vor großer Leinwand mit Bild von Anne Frank

Die Chorklassen 7, 8 und 9 sangen gemeinsam "Das Alphabet"

Chorschüler Nahaufnahme

 

 

Neun Schülerinnen und Schüler auf der Bühne nebeneinander stehend mit Mikros

Schülerinnen und Schüler der Klasse G10b stellten eindrucksvoll gegenüber, was "Freiheit" für Anne Frank und Jugendliche heute bedeutet.

 

 

Vier Schülerinnen auf der Bühne schwarz gekleidet

Schülerinnen der Klasse G10d sprachen über Antisemitismus in der Gegenwart.

 

 

Schüler auf Stühlen auf der Bühne sitzend mit Rücken zum Publikum

Schülerinnen und Schüler der Klasse G10d zeigten eine szenische Darstellung.

 

Hefliest25 G Talk web

Eine Podcast für die Bühne präsentierten Schüler und Schülerinnen der Klasse G10d.

 

Frau hinter dem Pult zum Publikum sprechend

Gymnasialzweigleiterin Cornelia Handke

 

Alle Mitwirkenden auf der Bühne vorm applaudierenden Publikum

Alle bekamen großen Applaus für ihre Darbietungen.

 

Text und Fotos: Christopher Göbel für die Hersfelder Zeitung

Quelle: https://www.hersfelder-zeitung.de/bad-hersfeld/anne-franks-tagebuch-inspiriert-schueler-zu-bewegendem-abend-94023054.html