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"Ich habe das Böse gesehen."

KZ-Überlebender Martin Löwenberg berichtete den Abschlussklassen der Gesamtschule Obersberg von seiner Verfolgung im NS-Regime

„Sie haben uns alles genommen, aber unser Wissen konnten sie uns nicht nehmen." Eindrucksvoll und bewegend schilderte der 83-Jährige den 9. und 10. Klassen in der Aula der GSO, wie er unter den Nazis verfolgt, gedemütigt, geschlagen und deportiert wurde.

Über Fulda wurde er mit seiner Familie, eingepfercht in Viehwagons, nach Riga gebracht. Später kam er nach Deutschland zurück und musste in einer Munitionsfabrik arbeiten. Seine Eltern und seine jüngeren Zwillingsbrüder sah er nie wieder. Nach dem Krieg erfuhr er, dass sie nach Auschwitz gebracht worden waren. Angesichts der grausamen Menschenversuche, die der „Arzt" Mengele dort besonders mit Zwillingen durchführte, hofft Martin Löwenberg, dass sie direkt in die Gaskammern geschickt wurden und nicht lange leiden mussten.
Sehr einfühlsam und gleichzeitig eindringlich sprach der heute in den USA wohnende Löwenberg mit seiner Lebensgeschichte die Jugendlichen an. Auf Englisch, aber für alle gut verständlich machte er den Schrecken dieser Zeit deutlich. „Ich spreche nicht von schuldig sein, aber denkt zurück, was zur Zeit eurer Großeltern geschah. Ich spreche vom Hass, von Auslöschung, von dem Bösen. Ich habe es gesehen. Sie waren so stark, sie hatten die Macht, sie vernichteten alles und alle, die Widerstand leisteten."
Ein Schüler wollte wissen, ob Löwenberg sich je gewünscht hätte, nicht in Deutschland gewesen zu sein. Martin Löwenberg fragte ihn: „Möchtest du heute wo anders leben? – Es war unser Deutschland. Meine Eltern und Großeltern wurden hier geboren. Mein Vater hat im Ersten Weltkrieg für Deutschland gekämpft. Dafür hat er das eiserne Kreuz bekommen." Trotzdem wurde der Futterwarenhandel seines Großvaters niedergebrannt und die Familie schließlich deportiert.
Obwohl er so viel Schrecken erlebt hatte, sprach Löwenberg ohne Verbitterung und sehr offen über diese Zeit. Die Schülerinnen und Schüler hörten ihm gespannt zu und stellten viele Fragen. Auch wenn das Thema bereits im Geschichtsunterricht behandelt worden war, war es etwas völlig anderes, das Geschehen von jemand vermittelt zu bekommen, der dies alles erlebt hat. Diese Begegnung mit einem KZ-Überlebenden hinterließ bleibenden Eindruck.
Martin Löwenberg und seine Frau waren zum wiederholten Male der Einladung des ehemaligen MSO Lehrers Karl Honickel gefolgt, der sie im Rahmen der Recherchen für sein Buch über die jüdische Gemeinde in Schenklengsfeld kennen gelernt hatte.
von Daniela Goldmann

 

 

 

 

 

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