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„Angstmachen war Stasimethode“

Fussball-Profi Norbert Nachtweih berichtet über seine Fluchtgeschichte

Einen besonderen Geschichtsvortrag erlebten die Schülerinnen und Schüler der zehnten Gymnasialklassen der Gesamtschule Obersberg sowie Lernende der Oberstufe der MSO im AudiMax. Norbert Nachtweih, Fussballprofi der DDR und in der Bundesliga, erzählte über seine Fluchtgeschichte und die Fussballkarriere in beiden deutschen Staaten.

Eröffnet und moderiert wurde der Vortrag von Sportmoderator Andreas Käckell, der den Schülerinnen und Schülern zunächst einige Informationen über die Zeit der deutschen Teilung gab, die geprägt war von der „Mauer, über die man nicht einfach springen konnte“.

Dr. René Wiese vom Zentrum für deutsche Sportgeschichte zeigte anhand zahlreicher Beispiele, was eine Flucht aus der DDR in die BRD für Sportler und ihre Familien bedeutete. Für viele Fussballer sei das Ziel die Bundesliga gewesen, die damals als stärkste Liga der Welt galt, so Wiese. Vom SC Union 06 sei sogar „eine ganze Mannschaft“ geflüchtet. Solchen „Zonenspringern“, die von der DDR-Presse als „Deserteure“ und „Verräter“ abgestempelt worden seien, drohten Verurteilungen, wenn sie nach der Flucht gewagt hätten zurückzukommen. Und auch Familie und Freunde der Geflüchteten bekamen den Unmut des DDR-Regimes zu spüren. Doch auch nach geglückter Flucht in die BRD seien Sportler von inoffiziellen Mitarbeitern und Spitzeln des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS, „Stasi“) der DDR verfolgt worden.

Genauso erging es auch Norbert Nachtweih, der jedoch erst durch den Einblick in seine Stasiakten, etliche Jahre nach der Wiedervereinigung, davon erfuhr. Fotos zeigen, dass man wusste, wo er wohnte und sich aufhielt. „Da ist es mit eiskalt den Rücken runtergelaufen“, sagt Nachtweih und erklärt: „Angstmachen – Zersetzung – war Stasimethode“. Wer sich davon hatte einnehmen lassen, den habe die mentale Belastung in den Wahnsinn treiben können, berichtet er.

Eine Dokumentation des NDR zeigte den Schülerinnen und Schülern wie er vor knapp 50 Jahren als Spieler der U21-Mannschaft der DDR nach einem Spiel in der Türkei die Chance zur Flucht nutzte, die sich dort spontan ergab. „Es hätte auch eine Falle sein können“, erinnert er sich. „Ich musste mich von allem lossagen“, denn für die Entscheidung zur Flucht blieben ihm nur wenige Stunden. „Wir wollten wissen, ob wir in der Bundesliga mithalten können“, erklärt Nachtweih, warum er und sein Teamkollege Jürgen Pahl die Flucht wagten und alles hinter sich ließen.

Dass sie bei Eintracht Frankfurt aufgenommen worden seien „als wären wir schon immer da gewesen“, sei „so ein Glück“ gewesen. Auf die Frage eines Schülers, wie groß der Druck war, dort abzuliefern, antwortet Nachtweih lächelnd: „Die ersten zwei Jahre habe ich nicht geschwitzt“, was am harten Training im DDR-Kader gelegen habe: „Ich habe der DDR auch viel zu verdanken“.
Interessiert verfolgten die Schülerinnen und Schüler den Zeitzeugenvortrag und nutzten danach die Gelegenheit für Fotos mit dem ehemaligen Fussballprofi.

 

Drei Personen auf einer Bühne vor Schülern sitzend, über ihnen hängt eine Leinwand mit einem Fußballer in Aktion darauf zu sehen

Sportmoderator Andreas Käckell (l.), Ex-Profifussballer Norbert Nachtweih (Mitte) und Dr. René Wiese vom Zentrum für deutsche Sportgeschichte (r.) berichten den Schülerinnen und Schülern im AudiMax über Fluchtgeschichten während der deutschen Teilung.

 

Drei Personen auf Bühne; der Mittlere redet gestikulierend in ein Mikrofon, die beiden anderen hören ihm gespannt zu

Norbert Nachtweih erzählt spannende Geschichten über seine Flucht und seine Zeit in der Bundesliga

 

Mann stehend auf der Bühne vor einer Leinwand mit historischen Bildern

Dr. René Wiese erklärte in einem einführenden Vortrag wie es zahlreichen Sportlern erging als sie die deutsch-deutsche Grenze überquert hatten.

 

 

Text und Fotos: Christina Necke

 

 

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